Das Konzert

Ein erotisches Erlebnis

Ich war nach M. gefahren – man hatte mich eingeladen, auf einer Konferenz etwas zur Zukunft der Stadt zu sagen, offenbar hielt man mich dort für einen Experten in diesen Dingen. Die Sache war für zwei Uhr nachmittags angesetzt, eine Stunde Podiumsdiskussion plus eine halbe für Fragen aus dem Publikum. Das Ganze für lausige zweihundert Euro Honorar. Ich kannte in M. niemanden, außer S., die ich aber schon seit ein paar Jahren nicht mehr gesehen hatte. Ich hatte ihr eine Nachricht geschrieben, ob sie nach der Diskussion Zeit für einen Kaffee hätte. Mit der Depression, die mir derlei Veranstaltungen regelmäßig zufügten, wollte ich nicht gleich wieder nachhause fahren. Es lief immer nach dem gleichen Muster ab: ein Politiker, ein Naturwissenschaftler, eine junge Aktivistin und irgendein Exot, ein Soziologe, ein Pfarrer oder, wie in diesem Fall, ein Philosoph. Dazu ein untalentierter, aber total engagierter Moderator. Im Publikum die üblichen Rentner und Studenten. Falls unter meinen Lesern einmal jemand Probleme mit einer Dauererektion haben sollte, empfehle ich die Teilnahme an solchen Konferenzen. Ich weiß, wovon ich rede. Es wird nämlich auch nicht besser, wenn die Sache phil.cologne heißt, der Moderator Gerd Scobel und deine Diskussionspartnerin die dänische Sexologin Ann-Marlene Henning ist, die auf der Bühne coram publico bekennt, kurz vorher noch masturbiert zu haben (Scobel erzählte uns anschließend beim Pizzaessen übrigens ungefragt, wie durch eine Prostata-Operation sein Penis geschrumpft sei). Ein solches Elend vor Augen musste ich mir einfach einen Rettungsanker für danach organisieren – und der sollte S. sein. Sie schrieb, sie würde mich um halb vier abholen.

Die Podiumsdiskussion verlief wie erwartet, ich musste, glaube ich, vier- oder fünfmal etwas sagen. Die junge Aktivistin war eine Fridays-Veganerin, an der alles perfekt war, die aber vermutlich genauso wenig zwischen den Beinen hatte wie die minderjährigen Aktmodelle von Lucas Cranach. Wenn irgend so ein Schluffi aus ihrer Bewegung, irgendein Fabian, etwas von ihr wollte, schrie sie ihn vermutlich hysterisch an: Der Planet geht vor die Hunde und du denkst an Sex! Die Zeiten von ficken für den Frieden waren definitiv vorbei. Ich machte mir nicht einmal ansatzweise die Mühe, in meinen Redepausen mir etwas mit ihr vorzustellen. Anders schien es dem alten Sack von CDU-Politiker aus dem Baudezernat zu gehen, der ganz schön geiferte, was mich zu der abschließenden These verleitete, die Stadt der Zukunft müsse eine junge Stadt sein, die ihre Tore für alle offenhalte – aber da stand S. schon in der Tür des Konferenzsaals und sie war die einzige, die verdorben genug war, den Witz zu verstehen. Sie machte mir mit der Hand ein Zeichen.

Über S. muss man wissen, dass sie Feministin ist, allerdings von der Art, dass Svenja Flaßpöhler dagegen wie eine Heulsuse erscheint. In Sachen Sex beansprucht sie, um es im Militärjargon auszudrücken: Erstschlagkompetenz. Dazu kommt, dass man bei ihr nie weiß, ob sie gerade auf Männer steht oder auf Frauen oder auf Aliens, oder ob sie einfach nur von ihrem Job als Psychiaterin gestresst ist und sich mit dir besaufen will. Also genau die Art von Unwägbarkeit, die dein Leben leicht macht.

Wir umarmten uns zur Begrüßung und täuschten uns darüber hinweg, etwas älter geworden zu sein, was uns leichtfiel, weil wir beide noch etwas vom Leben erwarteten. Sie trug einen kurzen Rock, grüne Seidenstrümpfe und allen Ernstes ein rosanes Hello-Kitty-T-Shirt – was sie damit rechtfertigte, mit suizidgefährdeten Jugendlichen zu arbeiten. Sie hatte immer noch diese drahtigen dunklen Locken, die meine Phantasie beflügelten, und sah damit insgesamt aus wie eine Mischung aus Pipilotta, Momo und der Tatort-Kommissarin Lena Odenthal. Draußen war es heiß, der Sommer fuhr mit Macht in die Stadt. Wir nahmen für ein paar Stationen die Straßenbahn, und als sie den Arm hob, um sich an einer der Schlaufen oben festzuhalten, sah ich, dass sie – ganz im Sinne des Old-School-Feminismus – ihre Achseln nicht rasiert hatte. Damit war über alles andere auch alles gesagt. Ich spürte, wie mein Schwanz freundlich gegen den Hosenstoff klopfte. Wir schlenderten durch das, was man das alternative Viertel der Stadt nannte, tranken Kaffee und kühlen Weißwein in einem Food-Sharing-Café, besser gesagt: davor, unter Bäumen; machten uns über die Passanten lustig, die wir in den Katalog der psychischen Erkrankungen einsortierten und gaben uns unserem Hedonismus hin.

Wie lange willst du bleiben?, fragte sie mich. Ich zuckte mit den Achseln. Bist du noch verabredet?, fragte ich zurück. Sie wollte, sagte sie, am Abend noch mit einer Freundin auf ein Konzert, die Freundin habe aber kurzfristig abgesagt, also wenn ich Lust hätte? Sie schien sich noch nicht sicher zu sein, ob sie meinen Schwanz für die Nacht wollte, das merkte ich ihr an, aber ebenso war sie wohl bereit, die Sache peu à peu eskalieren zu lassen. Wir schlenderten noch ein wenig herum, schauten in Schaufenster und Second-Hand-Boutiquen, studierten die Auslage eines Frauenbuchladens: der übliche Krempel über afghanische Mädchen und veganes masturbieren. Sie hängte ihren Daumen hinten in meinen Hosenbund, ich trug der Temperaturen wegen keinen Gürtel, das weiße Leinenhemd über der Hose. Wie verkauft sich dein Buch?, fragte sie. Ich hatte im Jahr davor vögeln – eine Philosophie vom Sex veröffentlicht. Gut, sagte ich, nur einige Leser seien enttäuscht, weil es darin wirklich um Philosophie ging. Ihr habe am besten, sagte sie, die Forderung gefallen, man solle den Kindern erst einmal beibringen, sich gegenseitig anzupinkeln, bevor man sie das erste Mal Sex haben lässt. Das würde ihr einige Arbeit ersparen. Während wir weiterbummelten, steckte sie unvermittelt ihre ganze Hand in meine Hose und fuhr mit einem Finger meine Pospalte entlang. Ich wollte nur mal sehen, ob du eine Unterhose trägst, sagte sie und grinste mich an. Meine latente Erektion schwoll zu einer beinharten Latte an. Ich trug gottseidank Boxers, was der Sache etwas Raum gab, trotzdem konnte ich nur hoffen, mein weites Hemd würde das Zeichen öffentlicher Erregung hinreichend kaschieren. Man sollte die allenthalben vom Emma-Feminismus bekämpften Phallus-Symbole einmal unter diesem Blickwinkel betrachten. Es ging also in die nächste Stufe der Eskalation.

Das Konzert, eine Hamburger Diskurspop-Band, würde pünktlich um acht beginnen, sagte sie, weil um zehn schon wieder Schluss sein müsse wegen der Nachbarn hier. Wir hatten noch etwas Zeit und gingen essen. Während sie ihre Spaghetti auf die Gabel wickelte, stellte ich mir vor, wie sich mein Schwanz seinen Weg durch ihr schwarzes Dickicht bahnte. Wie sagt Kitty zu ihrer Muschi?, fragte ich sie. Kommt drauf an, worauf sie Appetit hat, gab sie zurück und schob sich die Nudeln in den Mund. Viele Frauen hätten ein gestörtes Verhältnis zu ihrem Geschlecht, sprach sie mit vollem Mund, sie sei mal mit einer im Bett gewesen, die habe ihr die ganze Zeit nur den Rücken gestreichelt. Jetzt pack mir doch mal richtig zwischen die Beine!, habe ich ihr dann gesagt. Sprach’s mit solcher Vehemenz, dass ein paar Nudeln aus ihrem Mund zurück auf den Teller flogen. Auf deinen Tiger!, sagte ich und hob mein Glas.

In dem Club, den wir kurz vor acht betraten, war es voll, laut und heiß. Wenn eine Band spielte, mussten Fenster und Türen zubleiben, sonst beschwerten sich die Anwohner, die – wie in sogenannten alternativen Vierteln inzwischen üblich – hauptsächlich aus überbesorgten Helikopter-Eltern bestanden, die ihre Brut im Reagenzglas gezeugt hatten. Die Band, zwei Jungs und eine Frau, machte in der Tat ordentlich Lärm und sprach sich in ihren Liedern für die Freiheit der Straße und den Drogenkonsum aus. Die Menge stand dicht gedrängt und vor mir wiegte S. ihre Hüften im Takt und rieb ab und an ihren Hintern an mir. Bei einem langsamen Stück zog ich sie an mich und als sie meinen Schwanz spürte, drückte sie sich fest gegen meinen Bauch. Ich schob meine Hand von hinten zwischen ihre Beine und konnte die schwüle Hitze spüren. Ich schob ihren Slip etwas herunter. Keine Ahnung, welchen Sport sie trieb, aber sie hatte wundervolle feste Arschbacken. Jetzt musste ich nur noch unter dem Deckmantel ihres halb gelüfteten Rockes meinen mit einer Mördererektion versehenen Schwanz aus meiner Hose bekommen, ohne ihm schmerzvollen Schaden zuzufügen. Das sind die Momente der Wahrheit. Irgendwie bekam ich ihn unfallfrei durch den geöffneten Reißverschluss manövriert, ohne dass jemand hinsah. S. nahm ihn bereitwillig zwischen ihre Schenkel, wo er sofort vom tropischen Klima erfasst wurde. Ich spürte ihren mächtigen Busch und glitt zwischen ihren wulstigen Lippen hin und her. So, wie wir standen, würde es unmöglich sein, in sie einzudringen, eher würde ich wie unter der Deckung eines umgedrehten Kanus durch einen Fluss gleiten, aber sie packte mich fest und gekonnt mit der Muskulatur ihrer Oberschenkel und trieb die Sache in sanftem Rhythmus ihrer Eskalation zu. Dabei durften wir uns nichts anmerken lassen – wir waren zwar nicht der Mittelpunkt des Geschehens, die Musik spielte vorne und ich stand mit dem Rücken zur Wand, aber es war dennoch zum Verrücktwerden: Dass wir es hier inmitten der Menge trieben, steigerte einerseits meine Geilheit ins Unermessliche, hemmte mich andererseits aber auch derart, dass sich unser Fick über volle zwei Songs hinzog. Auch S. musste sich sehr zusammennehmen, dabei waren ihre Nippel kurz davor, Kitty die Augen auszustechen. Gerne hätte ich ihr zu ihrem Glück noch einen Finger gegeben, aber damit wäre die Sache vollends außer Kontrolle geraten. Als wir es nicht mehr aushielten, verdoppelte sie den Rhythmus und es war ihren talentierten Schenkeln zu verdanken, dass schließlich ein immenser Schwall von Sperma aus mir herausschoss, der ihre Muschi fast ertränkte. Uh!, sagte sie, ganz schön viel! So standen wir zwischen den anderen, wippten wieder im Takt und während ich langsam entspannte, lief ihr der Saft in zwei Bächen die Beine hinunter und versickerte in ihren Schuhen. Ich schaffte es, meinen Schwanz unbemerkt wieder in meiner Hose zu verstauen. Wir tranken an der Bar noch ein schnelles Bier und gingen dann. Draußen, im Halbdunkel, fasste ich ihr noch ein paarmal unter den Rock, wobei sie jedes Mal lachte. Sie war klatschnass. Und von uns stieg ein Geruch auf, der die Vögel in den Bäumen singen ließ.